Thelma Schoonmaker – Scorseses Geheimwaffe

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Thelma Schoonmaker – Scorseses Geheimwaffe

Seit ihrem Oscar-würdigen Schnitt von „Raging Bull“ (1980) – wohl einer der größten je gedrehten Filme – genießt die Editorin Thelma Schoonmaker eine exklusive Arbeitsbeziehung – und eine enge Freundschaft – mit Regisseur Martin Scorsese. Seit der Partnerschaft zwischen Regisseur Billy Wilder und dem Schriftsteller I.A.L. Diamond hat es wohl keine solch kreative und langlebige Zusammenarbeit im Film gegeben. Weich und ausgesprochen zurückhaltend, war Schoonmaker das genaue Gegenteil ihres erregbaren und demonstrativen Gegenstücks, das eine Symbiose von gleicher Bedeutung im Schneideraum ermöglichte; zwei Seiten der gleichen Münze, die zusammen einige der ikonischsten Filme in der jüngsten Erinnerung produziert haben.

Geboren am 3. Januar 1940 in Algier, Algerien, wo ihr Vater für Standard Oil arbeitete, zogen Schoonmaker und ihre Familie nach Aruba in die Karibik, bis sie als Teenager zunächst geschockt in die USA kam. Voller patriotischer Begeisterung besuchte sie die Cornell University, wo sie Politikwissenschaft und Russisch studierte und Diplomatin werden wollte. Ihr wurde jedoch davon abgeraten, zu idealistisch zu sein – ihre leidenschaftlichen Ansichten gegen Apartheid ließen sie in Bewerbungsgesprächen erfolglos. Stattdessen besuchte Schoonmaker die New York University für einen Sommer der Post-Graduate-Arbeit. Dort traf sie zum ersten Mal Scorsese. Sie schlossen sich sofort zusammen und arbeiteten an dem ersten Spielfilm des Regisseurs: „Wer klopft an meine Tür?“ (1967). Der Film war die erste Zusammenarbeit zwischen den beiden Giganten in ihren zukünftigen jeweiligen Bereichen, aber es würde mehr als ein Jahrzehnt dauern, bevor Schoonmaker und Scorsese wieder als Regisseur und Editorin zusammenarbeiten würden – denn Schoonmaker weigerte sich, die strengen Kriterien der Editorunion zu erfüllen. Doch schließlich schaffte es Scorsese auf bis heute unbekannte Weise die Regeln zu brechen und machte sie zur Editorin von „Raging Bull“. Ohne zu wissen was sie erwartete, wurde Schoonmaker von der schieren Kraft des Films überrascht – besonders von den Improvisationen zwischen Robert De Niro und Joe Pesci. Mit dem Regisseur an ihrer Seite schuf Schonmaker einen Film, der ihr ihren ersten Oscar für den besten Schnitt einbrachte.

Schoonmaker zeigte vielleicht ihre bisher beste Arbeit in „Goodfellas“ (1990) Scorseses ausuferndes Gangster-Epos, das den echten FBI-Informanten Henry Hill (Ray Liotta) und seinen Aufstieg – und den darauf folgenden Fall – in der Mafia darstellt. Schoonmaker erhielt ihre dritte Oscar-Nominierung, aber wie Scorsese wurde ihr ein Sieg verweigert.

Mit ihrem gemeinsamen Film „The Aviator“ (2004), einem Biopic auf dem berühmten Luftfahrtunternehmer und Milliardär Howard Hughes (Leonardo DiCaprio), gewann Schoonmaker ihren zweiten Oscar für den besten Schnitt.

Mit ihrem nächsten Film „The Departed“ (2006), Scorseses All-Star-Gangster-Thriller über einen Undercover-Cop (DiCaprio), erhielt sie erneut die höchste Auszeichnung – diesmal teilten sich Editorin und Regisseur aber endlich den Oscar-Ruhm – Schoonmaker gewann ihre dritte Statue für den besten Schnitt, während Scorsese schließlich seinen ersten als bester Regisseur einfuhr.

Author | emily Comments | Kommentare deaktiviert für Thelma Schoonmaker – Scorseses Geheimwaffe Date | Oktober 11, 2018

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